Veranstaltungskalender

Gottesdienste

*Keine Präsenzgottesdienste in der Evangelischen Kirche während des Lockdowns*

Darum haben sich die Evangelischen Kirchengemeinden im Chattengau einmütig dazu entschieden die Präsenzgottesdienste als Versammlungsorte auszusetzen.

Wir sind trotzdem weiterhin für Sie da:

 

Kirche im Chattengau     

 

Jeden Sonntag Videoandachten der Ev. Kirche  (Videoandacht)

Telefongottesdienste unter 0561-9378380

Wöchentlicher Predigtimpuls:

 

 

Wenn Sie Fragen haben oder ein Gespräch wünschen, rufen Sie an oder schreiben Sie:

E-Mail: pfarramt.metze@ekkw.de; Telefon 05603-2350.

Wenn Sie diese Leseandacht gern regelmäßig im Briefkasten finden wollen, melden Sie sich und wir bringen die Briefe zu Ihnen nach Hause.

„Über den Wolken“

PSALM

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. Halleluja.

Kommt her, höret zu alle, die ihr Gott fürchtet;

ich will erzählen, was er an mir getan hat.

Zu ihm rief ich mit meinem Munde

und pries ihn mit meiner Zunge.

Wenn ich Unrechtes vorgehabt hätte in meinem Herzen,

so würde der Herr nicht hören.

Aber Gott hat mich erhört

und gemerkt auf mein Flehen.

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. Halleluja.

Ps 66,20; 16-19

 

WOCHENSPRUCH:

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. Ps 66,20

Liebe Leserin, lieber Leser!

Ums Beten, und inwiefern Gebete erhört werden, geht es heute am Sonntag Rogate. Auf den Weg des Betens „bis in die Wolken“ und „durch die Wolken“ hindurch zum Höchsten nimmt uns der Bibeltext für diesen Sonntag aus dem Buch Jesus Sirach 35, 16-21 mit:

16 Er hilft dem Armen ohne Ansehen der Person und erhört das Gebet des Unterdrückten. 17 Er verachtet das Flehen der Waisen nicht noch die Witwe, wenn sie ihre Klage erhebt. 18 Laufen ihr nicht die Tränen die Wangen hinunter, 19 und richtet sich ihr Schreien nicht gegen den, der die Tränen fließen lässt? 20 Wer Gott dient, den nimmt er mit Wohlgefallen an, und sein Gebet reicht bis in die Wolken. 21 Das Gebet eines Demütigen dringt durch die Wolken, doch bis es dort ist, bleibt er ohne Trost, und er lässt nicht nach, bis der Höchste sich seiner annimmt.

„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man, blieben darunter verborgen. Und dann würde, was hier groß und wichtig erscheint, plötzlich nichtig und klein.“ An diesen bekannten Song des Liedermachers Reinhard Mey werde ich erinnert. Das Lied stammt aus dem Jahr 1974. Eine Zeit, in der, - anders als heute -, die mit dem Fliegen verbundene Erfahrung von Weltoffenheit und Freiheit nur wenigen vorbehalten war. Der Refrain ist bewusst im Konjunktiv gehalten. Reinhard Mey schildert den Start eines

Flugzeugs, den Aufstieg in den Himmel – „der Sonne entgegen“ – aus der Perspektive eines stillen Beobachters. Dieser bleibt am Boden, auf dem Flugfeld zurück. Doch der gedankliche Aufstieg zu den Wolken hat etwas verändert. Er geht seinen Weg anders weiter.

„Dann ist alles still, ich geh‘, Regen durchdringt meine Jacke. Irgendjemand kocht Kaffee in der Luftaufsichtsbaracke. In den Pfützen schwimmt Benzin, schillernd wie ein Regenbogen, Wolken spiegeln sich darin. Ich wär gerne mitgeflogen.“

Die eigentliche Veränderung beginnt damit, dass sich Jacke auf Luftaufsichtsbaracke reimt, und die benzindurchtränkte Pfütze zum Hoffnungszeichen des Himmels wird mit dem Regenbogen und den Wolken, die sich darin spiegeln. Das Bild vom Regenbogen ruft die eigene Sehnsucht wach: „Ich wär gern mitgeflogen.“

Wie wäre es, liebe Leserin, lieber Leser, wir fliegen heute am Sonntag Rogate einmal mit. In Gedanken natürlich. Erstens weil das Fliegen mit dem Klimawandel und dem ökologischen Fußabdruck ziemlich in Verruf geraten ist; und zweitens, weil wir zur Zeit ja sowieso nicht reisen dürfen, Mallorca ausgenommen. Was aber sehr wohl geht, ist ein Flug der Gedanken.

Für den Verfasser des heutigen Bibeltextes ist das ein Weg, der ins Gebet führt. Angst und Sorgen hinter sich lassen, die Freiheit feiern, die Dinge in die richtige Perspektive setzen. Dazu die Kraft des Gebets nutzen – dazu laden die Bilder des weisheitlichen Textes ein.

Beten durchbricht die Wolkendecke der Ängste und Sorgen. Mit und über den Wolken tut sich eine neue Perspektive auf. In Vers 26 klingt das nach Trost, wenn wir hören, dass Gottes Barmherzigkeit „erquickt in der Zeit der Not wie Regenwolken in der Zeit der Dürre“ (35,26). Damit stehen die Wolken für Hoffnung, die der Seele gut tut.

Grenzenlos ist solche Hoffnung mit den Worten von Reinhard Mey, weil sie den Horizont weitet, in die Freiheit führt. Aufs Beten bezogen bleibt der Weg dahin nicht auf bestimmte Gebete oder Formen beschränkt. Er ereignet sich mehr im Sinn von Besinnung. Er ist darauf bezogen, was sich im persönlichen Gespräch mit Gott ereignet. Sei es im Dank oder der Klage. Sei es in sonstigen Gefühlen, wie Freude, Trauer, Angst, Scham, Schuld und Wut, die daran anknüpfen. So wie der Tränenfluss reinigt und wieder für klare Sicht sorgt, so durchbricht Beten die Gefühle. Mit Blick zum Himmel wird die Sicht weit. Doch was sehen wir da ? Wo trägt einen das Beten hin? Was wartet über den Wolken? Und wie kehre ich von meinem Gedankenflug zu Gott zurück? Wer betet, hat schließlich etwas auf dem Herzen. Oder ein Loch im Herzen. Auf jeden Fall hat er etwas zu teilen. Wohin damit?

Mit Jesus Sirach erfahren wir, dass mit dem Gebet eines Frommen nicht ein konkretes Anliegen erhört wird, sondern dass es überhaupt gehört wird. Merken Sie den kleinen Unterschied? Beten ist also eine spannende Sache, ein Wagnis. Nicht immer von Erfolg gekrönt wie beim Abheben eben – ohne Garantie, anzukommen.

Vielleicht ist das mit ein Grund, warum laut einer Statistik der EKD aus dem Jahr 2015 32,8% der evangelischen Kirchenmitglieder nie beten! Neben diesem Stummsein gibt es natürlich auch die Erfahrung, dass Gebete erhört werden. Aber auch gegenteilige Erfahrungen, die sich im Unmut zuspitzen wie bei dieser Äußerung in einem seelsorgerlichen Gespräch:

„Warum antwortet Gott nicht? Mein Leben geht den Bach runter. Alle Hilferufe sind vergebens.“

Unabhängig davon, wie unsere Flugversuche gen Himmel aussehen, ob wir die Gedanken oft oder äußerst selten Richtung Himmel schicken, entscheidend ist und bleibt, wie wir in Kontakt kommen mit dem, was nicht zu fassen ist oder nicht erhört wird. Denn Beten ist mehr als Reden mit Gott. Es ist Stummsein und warten. Es ist eine innere Haltung. Sich aufschwingen, den fremden Blick suchen, in einen Raum ohne feste Wände hineinsprechen. Hören.

Mutter Theresa soll auf die Frage eines Journalisten, wie sie denn bete, geantwortet haben: „Ich rede eigentlich weniger und höre mehr Gott zu.“ „Und“, hakte der Journalist nach, „was sagt Gott dann zu Ihnen?“ – „Er redet auch eigentlich weniger und hört mehr mir zu“, war die Antwort. Das macht Mut, die Wege des Betens vorsichtig auszuloten, um zu entdecken, was geht:

Beten - erlaubt mir, im weiten Winkel von Gottes Gegenwart zu mir zu kommen. Es erlaubt mir, nicht rund um die Uhr funktionieren zu müssen. Nein, ich bin nicht immer bereit – ich kann mir erlauben, auch mal weg sein zu dürfen oder einfach nur stumm zu sein. Und doch weiß ich:

Für alles, was zum Himmel schreit, für die Armut, die Ungerechtigkeit, die grausamen Kriege, die Attentate … für alles ist Platz bei Gott. Auch wenn das vielleicht vom inneren Gefühl her manchmal in der göttlichen Speichercloud hängen bleibt -, der Weg zum Höchsten verändert! Schon allein deshalb, weil ich mich mit dem Blick zum Himmel mit der Welt nicht zufrieden gebe. Nicht mit meiner kleinen, und auch nicht mit der großen Welt. Also wünsch ich mir was. Immer wieder. Und das nicht zu knapp. Denn wenn ich die Luke öffne, wenn ich meine Wünsche rauslasse, werden sie groß und größer. Sie schwingen sich auf und werden zum Gebet.

Und Gott tut dann so, als hätte er allein auf mich gewartet. Wir schauen uns dann alles gemeinsam an. Die Paradiese und die Dreckecken. Wir staunen miteinander. Manchmal weinen wir auch. Oder hadern. Wir schimpfen wie die Rohrspatzen. Oder lachen uns schlapp. Wir schweigen. Wir warten, bis der andere etwas sagt. Manchmal habe ich dabei Geistesblitze. Und wenn ich dann durch die Luke wieder zurückschlüpfe auf den Boden der Tatsachen, hat sich die Welt nicht verändert. Aber mein Blick auf sie.

Gesegnete Erfahrungen beim Abheben und Landen im Beten wünscht Ihnen

 

Ihre Margarete Deist, Pfarrerin im Kirchspiel Metze und Altenzentrum Eben Ezer Gudensberg