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Gottesdienst zum Sonntag Kantate, 15.5.2022

Gottesdienst zum Sonntag Kantate, 15.5.2022, zum Kolosserbrief, Kapitel 3, Verse 12-17, von Dekan i.R. Rainer Staege, in: Kasseler Lektorenpredigt.

Mit herzlichen Grüßen Ihrer Kirchengemeinde, Ihr Pfr. B.Loose.

 

 

 

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Mit herzlichen Grüßen Ihrer Kirchengemeinde, Ihr Pfr. B.Loose.

  

Psalm 98

Singet dem HERRN ein neues Lied,

denn er tut Wunder.

Er schafft Heil mit seiner Rechten

und mit seinem heiligen Arm.

2Der HERR lässt sein Heil kundwerden;

vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.

3Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel,

aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.

4Jauchzet dem HERRN, alle Welt,

singet, rühmet und lobet!

5Lobet den HERRN mit Harfen,

mit Harfen und mit Saitenspiel!

6Mit Trompeten und Posaunen

jauchzet vor dem HERRN, dem König!

7Das Meer brause und was darinnen ist,

der Erdkreis und die darauf wohnen.

8Die Ströme sollen frohlocken,

und alle Berge seien fröhlich

9vor dem HERRN; denn er kommt, das Erdreich zu richten.

Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker, wie es recht ist.

Gebet

Allmächtiger und barmherziger Gott, du hast Großes an uns getan. Davon lass uns ohne Scheu erzählen und fröhlich singen,

damit es auch die Zweifelnden und die Bekümmerten hören

und froh werden.

Öffne uns und allen deinen Kindern den Mund,

bis wir dich ohne Ende preisen werden in deinem ewigen Reich.

Darum bitten wir dich durch Jesus Christus,

deinen Sohn, unseren Herrn,

der mit dir in der Einheit des Heiligen Geistes lebt

und lebendig macht von Ewigkeit zu Ewigkeit.

 

Lesung Kolosser 3,12-17

12So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld; 13und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! 14Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit.

 15Und der Friede Christi, zu dem ihr auch berufen seid in einem Leibe, regiere in euren Herzen; und seid dankbar.

16Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen. 17Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.

 

Liebe Gemeinde,

ist Ihnen aufgefallen, wie dieser Brief aus urchristlicher Zeit uns anredet? Nicht "liebe Gemeinde" nennt er uns, nicht "liebe Leser" oder "liebe Zuhörer". Nein - "die Auserwählten Gottes, die Heiligen und Geliebten", so werden wir hier genannt! Solch eine Anrede begegnet uns im Alltag wohl nur selten. Da muss man schon mal in die Kirche gehen oder die Bibel aufschlagen, wenn man so freundlich und mit solcher Wertschätzung angesprochen werden will. Die Auserwählten Gottes, die Heiligen und Geliebten sind nicht nur das, was sie durch Herkunft, Beruf, Aussehen oder Ansehen sind. Sie sind nicht nur das, wofür sie von anderen Leuten gehalten werden oder was sie selbst von sich denken. Sie sind viel, viel mehr. Und da wir selbst damit gemeint sind, gilt dies auch für uns: Wir sind unglaublich wertvoll!

Wer auserwählt ist, kann nicht untergehen in der Masse der Menschen und behaupten: "Auf mich kommt's ja gar nicht an!" So jemand kann in der Kirche nicht nur dasitzen und denken: "Lass die anderen mal singen und hören und beten - ich bin hier nur Beobachter!" Die Auserwählten wissen, dass sie gerufen und gebraucht werden und dass ihnen viel zugetraut wird. Gott hat sie entdeckt und auserwählt - warum auch immer. Und wie bei jeder Wahl heißt es auch hier: Gewählter Mann, gewählte Frau, nimmst du die Wahl an? Lässt du dich darauf ein, dass Gott etwas von dir will?

Die zweite Bezeichnung: Ihr seid die „Heiligen“. Vielleicht hört das der eine oder die andere mit einem Schmunzeln oder einem Kopfschütteln. Ich soll ein Heiliger, eine Heilige sein? Ich, der ich mit Gott und der Kirche, mit mir selbst und mit anderen oft keineswegs im Reinen bin? Ich, die ich meine Fehler und Schwächen nur allzu gut kenne und es einfach nicht schaffe, stets nach den Geboten Gottes zu leben und stets ein Vorbild zu sein? Ich bin doch kein Franz von Assisi, keine Heilige Elisabeth, kein besonders frommer und ungewöhnlicher Mensch!

Trotzdem: Ihr seid die "Heiligen". Durch die Taufe gehört ihr zur Gemeinschaft der Heiligen. Für Gott ist euer Leben heilig, unantastbar, von unschätzbarem Wert. Ihr habt Gott viel gekostet, als er seinen Sohn für euch sterben ließ. - Da könnt ihr jetzt nur noch die Heiligen sein. Das ist keine Frage eurer Leistungen, sondern eine Frage des Wertes, den ihr für Gott habt.

Und schließlich die dritte Bezeichnung: Ihr seid die "Geliebten". Wann hören wir das sonst? Ist es schon länger her, dass wir mal zu einem anderen Menschen gesagt haben: „Ich liebe dich“? Sagen wir uns das auch dann noch, wenn wir schon jahrelang miteinander verheiratet sind? Hören wir das nicht mehr, wenn wir schon verwitwet sind?

Sagen wir das unseren Kindern und Enkeln: "Ich habe dich lieb, auch wenn du mal frech oder bockig gewesen bist?" Liebesbekenntnisse gehen nicht immer leicht über die Lippen. Und wenn zu oft die Liebe beschworen wird, stellen sich manche Ohren taub. Menschenliebe kann abkühlen. Zu viel Nähe kann unangenehm werden. So kann Liebe zur Last werden und im Extremfall sogar in Hass umschlagen. Wer solche Erfahrungen gemacht hat, verliert möglicherweise den Glauben daran, dass es die Liebe geben kann.

Gott aber hält an der Liebe fest. Für ihn sind wir die Geliebten. Das soll heißen: Für uns tut er alles. Ohne uns will er nicht sein. In jedem Augenblick sucht er die Beziehung zu uns und will unser Bestes.

Ja, es ist eine auffällige und ungewohnte Anrede, die uns hier im Kolosserbrief begegnet. Sind wir die Auserwählten, die Heiligen und Geliebten, dann sollen wir freilich auch zeigen, was wir sind. Es soll kein Geheimnis bleiben, das wir in unserem Herzen versteckt halten. Und deshalb hören wir in diesem Briefabschnitt auch die Aufforderung: Zieht euch so an, dass man an euren Kleidern erkennen kann, wer ihr seid. Die Kleider, die da genannt werden, heißen „herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld" und Bereitschaft zur Vergebung.

Das ist keine Kleidung, die nur verhüllen will und kaum noch erkennen lässt, was für eine Person dahintersteckt. Das ist auch keine provozierende, verwirrende oder angeberische Kleidung, sondern eine Kleidung, die Lust macht, aufeinander zuzugehen. Wer so gekleidet ist, will sagen: Komm ruhig näher! Ich beiße nicht!

Bei mir findest du, was dir guttut! Zusammengehalten werden diese Kleider von einem Gürtel, und dieser Gürtel ist die Liebe, „das Band der Vollkommenheit". So ein Gürtel hält freilich nicht nur die Kleider eines einzelnen Menschen zusammen; denn alle, die solche Kleider tragen, gehören zu einem einzigen Leib, zum Leib Christi, zur großen Gemeinschaft der Heiligen, in der wir alle miteinander verbunden sind und in der der Friede regiert, den Jesus Christus uns gebracht hat.

Mit dem Leib Christi ist das wie mit jedem lebendigen Leib: Er bewegt sich und arbeitet, er atmet, nimmt auf und gibt ab, ist warm vom strömenden Blut und vom Rhythmus des Herzschlags. Wie es im Leib Christi zugehen sollte, oder anders gesagt, was in der christlichen Gemeinde geschehen sollte, das sagt der Kolosserbrief so: "Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen." Erinnert euch immer wieder gegenseitig daran, was euer Herr gesagt und getan und gewollt hat. Lernt von denen, die euren Glauben stärken und euch zu Taten des Glaubens ermutigen können. Scheut euch nicht, auch mal etwas Kritisches zu sagen und eine Ermahnung anzunehmen. „Der Friede Christi regiere in euren Herzen", damit sich Undankbarkeit und Streitsucht und Vereinsamung nicht unter euch breit machen können. Und schließlich auch:

"Mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen!"

Das Singen wird hier ganz großgeschrieben. Im Leib Christi soll nicht nur miteinander geredet und gehandelt werden, sondern auch gesungen werden. Die gemeinsame Sprache soll ihre Vollendung finden im gemeinsamen Gesang. "Singt Gott dankbar in euren Herzen!", heißt es. Immer wieder finden wir in unserem Briefabschnitt das Stichwort Dankbarkeit. Nicht in der Kehle und nicht auf der Zunge fängt das Singen an, sondern viel tiefer: im Herzen - dort, wo wir uns eine gute Erfahrung zu Herzen gehen lassen und dankbar werden und es uns drängt, die Dankbarkeit nicht nur mit trockenen Worten zum Ausdruck zu bringen.

Undankbare und freudlose Menschen werden wohl brummen und schimpfen, aber nicht singen. Hass und Zorn schnüren die Kehle zu; Scham macht kleinlaut; Gleichgültigkeit macht gelangweilte Gesichter. Dankbarkeit aber - die Dankbarkeit dafür, geliebt zu sein, leben zu dürfen, Chancen zu haben, sich auf Gott verlassen zu dürfen, solche Dankbarkeit weckt eine Freude, die nicht still bleiben kann und nicht nur nach Worten sucht.

"Singt Gott dankbar in euren Herzen!" Wie gut, dass es schon Psalmen und Lieder gibt, deren Klang uns nicht mehr fremd ist und in die wir einstimmen können. Und wie gut, dass immer wieder neue Melodien und Liedtexte gefunden werden, mit denen unsere Herzen sich anfreunden. Nur Lieder, die von Herzen kommen, werden lebendig und ermunternd, interessant und überzeugend auf andere Menschen wirken, sodass es bald viele Mitsänger und Mitsängerinnen gibt. Nur was von Herzen kommt, kann auch andere Herzen erreichen. Achten wir also darauf, was wir in unsere Herzen hineinlassen! "Der Friede Christi regiere in euren Herzen", sagt der Kolosserbrief. Das ist tausendmal besser als sich von Wehleidigkeit und Angst beherrschen zu lassen. Der Friede Christi beginnt damit, dass wir staunend hören und glauben: Ihr seid die Auserwählten, die Heiligen, die Geliebten. Ein größeres Friedensangebot gibt es nirgends. Amen.

 

Fürbitten

Herr, unser Gott, du hast uns geschaffen und mit deinem Atem belebt. Du hast uns gerufen, und wir haben gehört

und eingestimmt in die alten und neuen Lieder zu deiner Ehre.

Hilf uns, dass wir nicht im ängstlichen Schweigen erstarren.

Lass uns nicht nur auf das Echo unserer Klagen achten.

Richte uns auf durch deinen Geist

und wecke in uns die unbändige Sehnsucht nach Klängen und Liedern, die deine Wunder besingen und heilen, was beschädigt ist.

Wir danken dir,

dass Musik Gemeinschaft und Verständigung ermöglicht

auch über Grenzen und Sprachbarrieren hinweg.

Wir danken dir für Komponisten und Liedermacherinnen,

für Dirigentinnen und Chorleiter,

für Instrumentenbauer und alle,

die das Spielen eines Instruments lernen und lehren.

Wir danken dir für Chorsänger und Chorsängerinnen,

die nicht nur für sich selbst singen,

sondern im Einklang mit anderen,

dir zur Ehre und ihren Mitmenschen zur Freude.

Und wie wir dir danken,

so bitten wir dich auch für alle, die nicht singen,

sondern seufzen, schreien oder schweigen.

Wir bitten dich um Heilung der Kranken,

um Geduld und Kraft für alle, die sie begleiten,

um Hoffnung, Glauben und Liebe

auch in Zeiten größter Not und angesichts des Todes.

Wir bitten dich um Weisheit und Verstand für alle,

die in unserer Zeit politische Verantwortung tragen,

um Wachsamkeit und Besonnenheit

auch bei unseren eigenen Entscheidungen.

 

Diesen Gottesdienstentwurf schrieb Dekan i.R. Rainer Staege