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Predigt zum Sonntag Judika 29.3.2020

Christsein in Zeiten der Anfechtung, Trost finden im Glauben und im Gebet.Dazu lädt die Predigt ein.

 

 

 

 

Markusevangelium, Kapitel 10 Verse 32-45

32Sie waren aber auf dem Wege hinauf nach Jerusalem und Jesus ging ihnen voran; und sie entsetzten sich; die ihm aber nachfolgten, fürchteten sich. Und er nahm abermals die Zwölf zu sich und fing an, ihnen zu sagen, was ihm widerfahren werde: 

33Siehe, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und der Menschensohn wird überantwortet werden den Hohenpriestern und Schriftgelehrten, und sie werden ihn zum Tode verurteilen und den Heiden überantworten. 

34Die werden ihn verspotten und anspeien und geißeln und töten, und nach drei Tagen wird er auferstehen.

35Da gingen zu ihm Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, und sprachen: Meister, wir wollen, dass du für uns tust, um was wir dich bitten werden. 

36Er sprach zu ihnen: Was wollt ihr, dass ich für euch tue? 

37Sie sprachen zu ihm: Gib uns, dass wir sitzen einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken in deiner Herrlichkeit. 

38Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wisst nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder euch taufen lassen mit der Taufe, mit der ich getauft werde? 

39Sie sprachen zu ihm: Ja, das können wir. Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr werdet zwar den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, mit der ich getauft werde; 

40zu sitzen aber zu meiner Rechten oder zu meiner Linken, das steht mir nicht zu, euch zu geben, sondern das wird denen zuteil, für die es bestimmt ist.

41Und als das die Zehn hörten, wurden sie unwillig über Jakobus und Johannes. 

42Da rief Jesus sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. 

43Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein; 

44und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein. 

45Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.

Liebe Gemeinde,

Jesus ist mit seinen Jüngern auf dem Weg nach Jerusalem. Die Jünger haben Angst, denn in Jerusalem warten die Hohenpriester auf eine Gelegenheit, um Jesus umzubringen.

Jesus weiß was kommen wird. Zum dritten Mal kündigt er seinen Jüngern an, daß er dort leiden und sterben wird, aber am dritten Tage auferstehen wird von den Toten.

Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, gehören nach Petrus und Andreas zu den ersten Jüngern Jesu.

Die beiden machen sich Gedanken über ihre Stellung im Himmelreich. Wenn Jesus von den Toten auferstanden seine Herrrschaft über Lebende und Tote ausüben wird, da möchten sie gerne in seiner näheren Umgebung sein. Zur rechte und zur linken seines Platzes wollen sie sitzen.

Und Jesus ist natürlich sofort klar, daß sie damit einen Machtanspruch stellen. Sie wollen mitherrschen.

Wir können uns dies richtig bildlich vorstellen: wie in einem Thronsaal eines Königs, in dem ihm am nächsten seine einflußreichen, mit Machtbefugnissen ausgestatteten Berater und Minister sitzen.

Und auf diesem Thron, da können wir uns Jesus so vorstellen, wie er auf vielen Ikonen der orthodoxen Kirche aber auch in der Kirche zu Zennern auf dem Fensterbild dargestellt ist: als Pantokrator, als allmächtiger aber gütiger Herrscher, die rechte Hand segnend erhoben, in der linken ein Buch haltend, vielleicht das Buch des Lebens, vielleicht die Bibel als Zeugnis der Liebe Gottes zu den Menschen.

So ähnlich dürften sich die Söhne des Zebedäus den auferstandenen Christus auf dem himmlischen Thron ausgemalt haben. Und sie werden sich wohl gedacht haben: jetzt sind wir Jesus nachgefolgt, haben alles hinter uns gelassen; wir sind seit den ersten Tagen seiner Wirksamkeit seine Jünger. Das macht uns wichtig. Außerdem haben wir für diese Nachfolge so manches entbehrt und mitgemacht. Dafür möchten wir wenigstens dann auf unsere Kosten kommen.

Doch Jesus holt sie schnell von ihren geistigen Höhenflügen wieder auf den Boden zurück.

Auch wenn sie, wie es die Apostelgeschichte von einem der beiden Brüder berichtet, für den Glauben den Märtyrertod erleiden, nur Gott wird die Ehrenplätze zuweisen.

Hinter der Bitte der Zebedäus-Söhne steht ganz klar die Frage: Was haben wir davon, daß wir zu Jesus gehören.

Diese Frage ist heute mehr denn je aktuell. Dabei ist nicht ein guter Platz im Himmel im Blick. Sondern ganz pragmatisch und mit nicht minderem Anspruchsdenken wird im Preis-Leistungsverhältnis gerechnet. So mancher Konfirmand fragt sich: was bringt mir die Konfirmation? Wieviel tausend Euro kommt an Geschenken rein? Manch Arbeitnehmer fragt beim Blick auf den Lohnzettel: Was bringt es mir, in der Kirche zu sein? Ich zahle so und soviel Kirchensteuer. Dafür nehme ich die und die kirchlichen Dienste in Anspruch, oder eben nicht in Anspruch. Dienste, die ich zum Teil auch nutzen kann, ohne in der Kirche zu sein. So denken vielleicht manche, denen Glaube und Religion nicht so wichtig geworden sind.

Aber auch die Christen, denen der Glaube für und in ihrem Leben wichtig ist, auch die fragen sich doch mehr oder weniger bewußt: Was bringt mir der Glaube? auch sie haben einen Anspruch: Wenn ich Glaube und auf Gott und Jesus Christus vertraue, dann erwarte ich auch, daß er mir spürbar hilft, daß er mich vielleicht vor Krankheiten bewahrt, daß er es mir gut gehen läßt, und schließlich auch, wenn es so weit ist, daß mein Leben hier endet, daß ich mich darauf verlassen kann, daß er mich nicht im Tode beläßt sondern auferwecken wird zum ewigen Leben, wie es auch aussehen wird.

Solche und ähnliche Ansprüche kommen zur Sprache, besonders wenn es so scheint, als würden sie enttäuscht oder vorenthalten.

So manches Mal habe ich bei Gesprächen die Klage vernommen. Da war ich immer regelmäßig in der Kirche, war fromm und habe viel gebetet. Und jetzt diese Krankheit. Warum? Wo ich doch nie etwas Böses getan habe, immer in der Kirche war.

Die Ansprüche sind da. Wir alle haben unsere Ansprüche an den Glauben, an Jesus. Und fragen uns manchmal auch, was bringt es mir?

Gegen dieses Anspruchsdenken im religiösen Bereich scheint Jesus auch gar nichts einzuwenden. Das ist nicht seine Kritik an den Zebedäus-Söhnen. Aber er schränkt zuerst einmal ein. Es gibt kein Tun- und Ergehenzusammenhang für religiöse Leistungen. Gott hat es in der Hand, wem was und welcher Platz zukommen wird. Gott hat es in der Hand - und es steht in seiner Gnade - wie und unter welchen Umständen er seine Liebe und bewahrende und geleitende Nähe zeigt. In seiner Hand liegt es, wie unser Lohn für Glaube und Nachfolge aussehen wird.

Aber dann, liebe Gemeinde, macht Jesus auch unmißverständlich deutlich, das alles ist gar nicht das Wichtige. Darum brauchen wir uns keine Sorgen zu machen, da dürfen wir uns auf Gott verlassen.

Jesus ist viel wichtiger, wie wir untereinander umgehen. Und hier auch mit Macht und Herrschaftsansprüchen, die es im Kleinen ja genauso gibt, wie im Großen. Die gibt es in kleinen Gruppen, in Cliquen, in Gemeinden und natürlich auch in den Kirchen, überall da, wo mehrere Menschen zusammen sind, wo Engagement eingebracht und Entscheidungen getroffen werden müssen, da sind auch Menschen, die für sich eine herausgehobene Stellung beanspruchen, sei es verdient oder unverdient. Diese Ansprüche werden spürbar, wo Menschen Einfluß ausüben und mitbestimmen wollen.

Und hier kehrt Jesus, wie so oft, dass um, was sonst in unserem Umgang miteinander normal ist. Er setzt neue ethische Maßstäbe. Er zeigt Wege auf, die zu dem Reich Gottes hier und heute mitten unter uns führen.

Jesus sagt: "Wie ihr wißt, unterdrücken die Herrscher ihre Völker und die Großen mißbrauchen ihre Macht. Aber so soll es bei euch nicht sein.

Wer von euch etwas Besonderes sein will, der soll den anderen dienen, und wer von euch an der Spitze stehen will, soll sich allen unterordnen."

Damit beschreibt Jesus sein Leben, Lehren, Heilen und Helfen als Dienst an den Menschen und skizziert damit zugleich sein Verständnis von Nachfolge als Dienst am Nächsten. Einander Gutes tun und Helfen, so sollen wir unsere Macht einsetzen, unsere Kraft und unsere Ansprüche.

Als Christen und als Kirche sollen wir so herrschen, daß wir dienen, wie Jesus uns gedient hat und noch dient.

Hier sei noch einmal die Frage gestellt: Was bringt uns das?

Im letzten Vers gibt Jesus darauf die Antwort: Heil, Seelenheil. Trost und auch Erfüllung.

Jesus ist gekommen um zu dienen und sein Leben als Lösegeld für alle Menschen hinzugeben.

Damit deutet Jesus seinen Tod als Heilstat für uns. Für uns ist er den Weg nach Golgatha gegangen und auferstanden, damit wir frei sind Gottes Liebe zu uns wahrzunehmen, eine unbelastete Beziehung zu Gott aufzubauen. Einen Glauben ohne Gewissensbisse oder Ängste, aber mit der Hoffnungsvollen und mit Freude erfüllten Gewißheit, daß die Gemeinschaft mit Christus in diesem Glauben durch dieses Leben trägt gerade auch in der Nachfolge, in dem Dienst an den anderen, so wie es Jesus vorgelebt hat. Das Gebet bringt uns ihm näher und entlastet. Der Zuspruch seiner Liebe tut uns gut. Jesus ist mit uns auch in unseren Sorgen und Nöten.

Weil Jesus diesen Dienst mit seinem Kreuzestod vollendet hat, ist das Dienen, die gelebte Nächstenliebe zu dem Herrschaftsinstrument geworden, daß einem jeden Christen angemessen ist. Da soll keiner über den anderen herrschen, aber ein jeder dem anderen dienen und helfen und lieben.

Gewiß, daß ist weder überall in unserer Kirche noch unter allen Christen in der Welt Realität.

Aber es ist ein Ideal, dem es nachzustreben lohnt. Denn überall, wo dieses Ideal ein wenig Wirklichkeit wird, und Nachfolge als Dienst erlebbar wird, da wird dem Herrschaftsbereich Christi Raum gegeben, da wird das Reich Gottes lebendig, da wird erfahrbar: der Glaube bringt mir eine ganze Menge: er bringt mir Heil und Rettung, Freude und Erfüllung, Gewißheit und Zuversicht, Lebenssinn und -Ziel. Amen.

Fürbittengebet

Gütiger Gott,

dein Sohn hat uns gedient und sein Leben für uns gegeben.

Durch ihn bitten wir dich:

Erfülle uns mit seinem Geist,

damit wir einander dienen in geschwisterlicher Liebe.

Gib den Mächtigen den Willen und die Kraft,

gegen Hass und Unterdrückung vorzugehen.

Erlöse uns von dem Wahn, die Größten sein zu müssen; mache uns aufmerksam dafür, wo andere bedrückt werden – auch durch uns.

Hilf uns zu einem Miteinander,

in dem einer die Last des anderen trägt.

Lass unsere Verstorbenen im Licht deiner Liebe geborgen sein.

Gütiger Gott, du erlöst uns durch die Macht der Liebe. Ihr vertrauen wir durch deinen Sohn Jesus Christus, der mit dir in der Einheit des Heiligen Geistes lebt und regiert in Ewigkeit.